Ewige Zeiten
Haget 329

Herbstes Stürme sind aufgestanden ,
Staub und Unrat treibt wild vor sie her,
welke Blätter - was sie so fanden
- wie gepeinigt tobts brüllende Meer.

Kahle Äste zum Himmel langen
und peitschen den heulenden Wind,
woll'n entflohne Blätter fangen
- doch diese entwirbeln geschwind.

Verlassen vom Laub nun stehen Bäume
- bereit für Schnee und Kältezeit,
versunken in tiefste Winterträume
- zur Frühlingszeit ists noch soo weit!

Es ahnen die Tiere längst es im Wald
- nur einzelne können Vorrat anlegen -
der Hunger, die Kälte drohen uns bald,
der Wind wird scharf durchs Geäste fegen.

Verpuppt hat sich so manch Getier,
verkrochen in warme Ecken und Erde,
viele Vögel sind nicht mehr hier
- warten südlich, bis es Frühling werde.

Wenn kaum einer den Winter liebt ,
entflieht oder bang seiner harrt,
sich ungern ins Unvermeidliche gibt
- wozu den Spuk, der alle narrt?

Wir sind viel kleiner als wir denken
- die kalte Zeit gabs vor uns schon -
uns Frühling-Sommer-Herbst zu schenken
- ist ein ganz unverdienter Lohn!
Kreislauf
Haget 583

Der Herbstblätter Farben
- so wunderschön -
sind als Beginn
ihres Todes zu sehn;
doch danach steht immer
- der Welten Lauf -
das Leben neu wieder
aus Humus auf.
Fallende Blätter
Haget 414

Wenn ein Blatt zur Erde fällt,
weil es welkte schon am Baum,
ändert dies nicht unsre Welt
- auch ein zweites schafft es kaum!

Wenn vom Baume viele fallen,
auch wenn leise es geschieht,
dann vom nächsten und von allen
- jeder das Ergebnis sieht!

Nur weil alte Blätter weichen,
nachdem Bestes sie gegeben,
ist der Kreislauf zu erreichen,
- kann bald neues Grün ins Leben.

So sind wir von Greis bis Kind,
nach dem Abschied einst von allen,
selbst wenn heut' wir wichtig sind
- Blätter, die vom Baum gefallen.